GdgU

 

 

Prof. Dr. Manuel Cuadra
Universität Kassel
Fachbereich 6: Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung
Fachgebiet Architekturgeschichte / GdgU

 

 

 

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Historische Grundlagen / GdgU I / II
Historische Entwicklung von Stadt, Architektur und Landschaftcklung von Architektur, Stadt und Landschaft

Vorlesung 3 SWS im WS und 3 SWS im SS, A 1.001
Prof. Cuadra, Dr. Fischer

Do 10:00-11:30 / 12:00-13:30


Lernziel: Verständnis für die Grundlagen der Geschichte der "gebauten Umwelt" von der Antike bis zur Gegenwart mit ihren gesellschaftlichen, kulturellen, politischen, technischen und ökonomischen Rahmenbedingungen und Wechselbeziehungen. Das Gesamtmodul "Geschichte der gebauten Umwelt" ist zweisemestrig angelegt. Es beginnt jeweils im Wintersemester und setzt sich aus folgenden Teilmodulen (Vorlesungen) zusammen:

1. Die Lebensräume der Menschen in Europa und ihre Wurzeln  (Prof. Dr. Cuadra)

Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung der Architektur, des Städtebaus und der Landschaftsgestaltung in den jeweiligen gestalterischen und stilistischen Ausprägungen.

Teil I (WS): die Zeit von den Anfängen bis zur Französischen RevolutionTeil II (SS): die Zeit von der Französischen Revolution bis in die Gegenwart.

2. Grundlagen der Planungs- und Stadtbaugeschichte (Dr. Fischer)

Inhalt: Ziel der Lehrveranstaltungen ist die Vermittlung stadt- und planungsgeschichtlicher Zusammenhänge und deren praktischer Bedeutung für aktuelle Aufgaben in Städtebau und Stadtplanung.

Stadtbaugeschichte I (WS): Von der Antike bis zum Ende des 19. Jahrhunderts
Stadtbaugeschichte II (SS): 20./21. Jahrhundert

Modulprüfung
Gemeinsame Abschlussprüfung. Zum Ende des SS, Protokoll mit ca. 10.000 Anschlägen als Voraussetzung zur Prüfungsteilnahme.

Zuordnung: A 1.001

Bemerkung:  Studiengang Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung (ASL)
6 Creditts (Gesamtmodul)

Das Modul ist für die Studierenden der Architektur, Stadtplanung und Landschaftsplanung Voraussetzung für den Erwerb der  Studienarbeit im gleichnamigen Arbeitsbereich / Prüfungsgebiet  A 1.001 / G 3.1 - Historische Entwicklung von Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung und damit eine Pflichtveranstaltung für das Erlangen des Grundstudiumszertifikats.

Weitere Informationen siehe moodle (FG Architekturgeschichte): https://moodle.uni-kassel.de/moodle/

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Geschichte der gebauten Umwelt / GdgU

Stadt, Architektur und Garten als Instrumente menschlicher Selbstverwirklichung

 

Zu den Inhalten

Die Geschichte der Menschheit zeichnet den Weg auf vom Leben in permanenter Bewegung in der Natur als Nomaden über das im Zuge der Landwirtschaftlichen Revolution an einen Ort gebundenen, sesshaften Leben in Städten hin zu den wieder neuen, auf den ersten Blick zumindest weiter denn je von der Natur entfernten, durch extreme Verstädterung und zugleich neue Formen und Intensitäten der Mobilität gekennzeichneten Lebensformen des Industrie- und Informationszeitalters.

Seine ersten Vorstellungen von Raum hat der Mensch beim Durchstreifen landschaftlicher Räume entwickelt: die Vorstellung von Ort, von Weg, von Orientierung, von Ziel. Er hat gelernt, landschaftliche Räume zu lesen: sich durch sie geschickt, das heißt, eigene Erfahrungen berücksichtigend, zu bewegen; sie nach den Nutzen und Problemen, die sie ihm bereiten, differenziert zu betrachten und zu behandeln; sie zu bewohnen, zunächst in vorhandenen Räumen, je nachdem in Höhlen etwa, auf Anhöhen, auf Inseln oder in Lichtungen; sie geistig zu prägen, durch die Identifikation und Fixierung heiliger Orte, an denen die Götter und Dämonen residieren oder die Ahnen ihre letzte Ruhe gefunden haben. Schließlich hat er den landschaftlichen Raum nicht nur passiv geprägt, sondern aktiv: erst durch das Setzen von Zeichen, die Treffpunkte wie Ansprüche und andere Interessen, Orte, die mit guten Jagd- oder Ernteerfolgen verbunden werden, kommunizieren; schließlich durch die Errichtung von Räumen – von Gotteshäusern, Totenhäusern und anderen Rahmen der unterschiedlichsten kollektiven Handlungen ritueller Art.

Durch die Sesshaftigkeit verändert sich die Beziehung der Menschen untereinander im Alltag radikal. Doch die Prägung der vielen ersten Jahrtausende nomadischen Lebens bleibt bestehen, genauso wie beim Individuum auch im Alter die im Kindesalter erfolgte Prägung bestehen und vor allem unterbewusst wirksam bleibt. Der Städter trägt die Sehnsucht nach der Landschaft, nach dem Weg, nach den Zeichen, nach den heiligen Orten, nach den Lichtungen, den Anhöhen und Oasen in sich. Nicht genug damit, findet er immer wieder Formen, die Objekte seiner Sehnsucht in die Stadt zu tragen: durch Transformation in das, was Stadt ausmacht: Allee, Platz, Monument, Garten – am Beispiel der Polis Athen im Übergang vom Mythos zur Wissenschaft ist dann von Akropolis, Agora, Wohnviertel und Nekropolis mit den dazugehörigen architektonischen Bestandteilen die Rede.

Sesshaftigkeit stellt in erster Linie eine gewaltige kulturelle Leistung dar. Ermöglicht wird sie durch die Erfindung der Landwirtschaft und parallel dazu immer größerer Siedlungen, schließlich der Stadt. Die immer größeren nun städtischen Gemeinschaften bedürfen, wollen sie nicht in Chaos, Mord und Totschlag versinken, einer Kultur: Formen des Miteinanders mit einer politischen, gesetzlichen, religiösen und andere Dimensionen, die gesellschaftliche Organisationsformen, Strukturen und Hierarchien sowie Institutionen hervorbringen. Wie sensibel das neu entwickelte Gleichgewicht ist daran zu erkennen, wie viel Energie in die Stabilisierung und Aufrechterhaltung der Strukturen investiert wird. Zu den dabei eingesetzten Mitteln gehören von Anfang an die urbane Komposition, die Architektur und der Garten. Mit anderen, positiver und zugleich neutraler klingenden Worten: Stadt, Architektur und Garten dienen als Instrumente der menschlichen Selbstverwirklichung. Welcher und wie vieler Menschen hängt von der jeweiligen Gesellschaft ab, davon, wer in welchem Umfang an der Lenkung der Geschicke der Gemeinschaft partizipiert – wie die Geschichte am Beispiel der Entwicklung, die mit Mesopotamien beginnt und über Griechenland und Rom, dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock bis in das Industrie- und Informationszeitalter führt.

So gesehen ist die Geschichte von Landschaft, Stadt, Architektur und Garten die Struktur, Raum und Bild gewordene Geschichte der Menschheit. Man könnte auch sagen: Landschaft, Stadt, Architektur und Garten stellen einen Faden der Geschichte der Menschheit dar und entwickeln sich in permanenter Wechselwirkung mit dem, was das Leben der Menschen in der Geschichte ausmacht. Diese Wechselwirkungen nachzuvollziehen ist genauso ein Ziel des Faches "Geschichte der gebauten Umwelt" wie die Formen zu betrachten, zu analysieren und zu diskutieren, die Landschaft, Stadt, Architektur und Garten ausmachen. Man wird feststellen: Landschaft, Stadt, Architektur und Garten können nicht separat betrachtet werden, ohne das Bild des Ganzen und seiner Teile zu verzerren; Landschaft, Stadt, Architektur und Garten bilden sich in der Geschichte wandelnde Konstellationen; diese Konstellationen – Historiker würden von Epochen sprechen – können sich sehr unterscheiden und damit sehr unterschiedliche Landschaften, Städte, Architekturen und Gärten hervorbringen. Die Wechselwirkungen und damit die Grundlagen von Landschaft, Stadt, Architektur und Garten auszumachen ist ein erstes Ziel, das in Verbindung mit einem zweiten Ziel steht, die konkreten Formen zu erkennen, die Landschaft, Stadt, Architektur und Garten einnehmen. Man wird feststellen: es geht um mehr als um Formen, es geht um das, was mit Hilfe von Formen gesagt wird und wie es gesagt wird: um die Sprache der Landschaft, um die Sprache der Stadt, um die Sprache der Architektur, um die Sprache des Gartens.


Stand der Lehre

Die Idee, ein neues integriertes ASL-Fach "Geschichte der gebauten Umwelt" zu entwickeln, das sich auf die speziellen Bedingungen und Anforderungen der Lehre des Fachbereichs 6: ASL der Uni Kassel bezieht, geht zurück auf die Berufungsverhandlungen im Jahr 2005. Die Umsetzung in der Lehre begann in kleinen Schritten im Oktober 2005. Durch die Einstellung der Kunsthistorikerin Katja Marek im WS 2005-2006 und der Landschaftsplanerin Ulrike Gawlik im SS 2006 konnte die Entwicklung in den letzten Monaten beschleunigt werden.

Seit dem WS 2006-2007 werden die ersten Vorlesungen gehalten, in denen eine integrierte Betrachtung von Landschaft, Stadt, Architektur und Garten durchgehalten werden kann. Dies gilt zumindest für die ersten sechs bislang gehaltenen Vorlesungen, die weiter unten stichwortartig skizziert werden. Um Missverständnisse zu vermeiden, sei hier auf das Folgende hingewiesen:

Ziel der Vorlesungen ist die Ausbildung von Architekten, Stadtplanern und Landschaftsplanern, also nicht von Historikern und auch nicht von Wissenschaftlern. Dementsprechend ist die Lehre letztendlich neben der Vermittlung von Grundlagenwissen darauf ausgerichtet, einen Sinn für das, was Landschaft, Stadt, Architektur und Garten ausmacht zu vermitteln. Es geht darum, eine Sensibilität und ein Gefühl gegenüber diesen Themen zu trainieren, von Intuition. Zugleich soll Geschichte so dargestellt werden, dass sie als Quelle der Inspiration dienen kann. All dies geschieht in der Überzeugung, dass stets mit dem Kopf geplant wird, zugleich aber immer auch mit dem Bauch, dem Herzen und der Hand. Dies geschieht zu einem großen Teil bewusst und absichtlich, zu einem großen Teil aber auch intuitiv, spontan und unterbewusst.


Ziel der Vorlesungen ist die Ausbildung von Architekten, Stadtplanern und Landschaftsplanern, die heute und hier, im Europa des 21. Jahrhunderts leben und tätig sein wollen. Wenn die historische Betrachtung – wie weiter unten dargestellt – sehr weit zurückgeht und mit den Anfängen des Homo sapiens sapiens beginnt, dann nicht um der Vollständigkeit der geschichtlichen Darstellung sondern um der Gegenwart willen. Mit anderen Worten: Es geht um das, was wir durch die Betrachtung der Kindheit der Menschheit leichter lernen über uns selbst, über das Menschsein lernen können – zum Beispiel, wie weiter oben skizziert, weshalb Natur und Landschaft uns so viel bedeuten, nicht nur allgemein, sondern sehr speziell bezogen auf unser Fach, dort wo es um Raum, um Weg, um Ort etc. geht. Dass es stets um das Menschsein und um die Gegenwart und nicht um die Vergangenheit geht, kann immer wieder durch Bezüge zur Kunst- und Architekturproduktion, zum Städtebauen etc. in der Gegenwart deutlich gemacht werden: es geht um die ewige Gegenwart der Geschichte.


Konzipiert ist das Fach "Geschichte der gebauten Umwelt" für Studentinnen und Studenten des ersten und zweiten Semesters, das heißt als Grundlagenfach, als Fundament, auf das in weiteren, spezielleren Fächern aufgebaut werden soll. Dementsprechend elementar sind die Inhalte, die Begrifflichkeit, die Wortwahl. Es geht um Landschaft, um Stadt, um Architektur, um Garten. Es geht darum, was Landschaft, Stadt, Architektur, Garten den Menschen bedeutet hat, was die Menschen daraus gemacht haben, wie sie sich darin wieder gefunden haben: wie und inwiefern Landschaft, Stadt, Architektur und Garten den Menschen als Instrumente ihrer kollektiven und individuellen Selbstverwirklichung gedient haben. Mit anderen Worten: auf dieser Ebene wird zunächst nicht zwischen "Planung" und "Gestaltung" differenziert. Als Ganzes ist die Betrachtung als eine kulturelle Betrachtung zu betrachten, die die oben genannten Ziele verfolgt, die also der Ausbildung junger Leute für ein sinnvolles Wirken hier und jetzt dient.

 

 

 

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